Klinische Studien
Im Rahmen unserer Forschungsaktivitäten zum Thema systemische Entzündungen werden derzeit mehrere klinische Studien von der KFO342 und seinen Projektmanagern durchgeführt. Ziel dieser Studien ist es, ein besseres Verständnis der Pathogenese von Erkrankungen im Rahmen der systemischen Inflammation zu erlangen und auf dieser Grundlage potenzielle Therapieansätze zu entwickeln.
Aktuelle klinische Studien
Titel: Eine prospektive Studie zum Vergleich von Angiotensin II und Noradrenalin bei der Behandlung von Hypotonie zur Verringerung der mit Herzoperationen verbundenen akuten Niereninsuffizienz (PAN-AKI)
Synopse der Studie: Akute Nierenschädigungen sind eine häufige Komplikation nach Herzoperationen und betreffen etwa 30 % aller herzchirurgischen Patienten. Die Gründe hierfür sind vielfältig, niedrige Blutdrücke sind mitverantwortlich für das Auftreten. Während einer Narkose und der Phase an der Herz-Lungen-Maschine kommt es sehr häufig zu interventionsbedürftigen Hypotonien. Hierfür gibt es Vasopressoren, die standardmäßig verwendet werden. In diesem Projekt wird nun ein weiterer Vasopressor mit dem Namen Angiotensin II untersucht, welcher bereits zur Behandlung von Hypotonie bei Patienten mit septischem Schock zugelassen ist. Nun soll geprüft werden, ob das Prüfpräparat auch zur Behandlung von herzchirurgischen Patienten eingesetzt werden kann und gegenüber der Standardtherapie Vorteile haben könnte. Durch die Studie soll eine weitere Lücke in der Prävention der postoperativen Akuten Nierenschädigung bei Hochrisikopatienten geschlossen werden.
Studienleitung Ansprechperson:
Ansprechpersonen: Univ.-Prof. Dr. med. Alexander Zarbock (Hauptprüfer), Dr. med. Ludwig Maximilian Schöne (Koordinierender Prüfarzt)
Link zum Register: EU-Trial-number: 2024-517771-21-00
Titel: Auswirkungen der remote ischämischen Präkonditionierung bei Patienten mit Sepsis auf Biomarker für den Zellzyklusstillstand – die randomisierte klinische Studie „RIPC-ICU“
Synopse der Studie:
Das akute Nierenversagen ist eine allgemein anerkannte Komplikation bei kritisch kranken Patienten. Bislang gibt es keine klinisch etablierte Methode, um die Häufigkeit oder den Schweregrad des akuten Nierenversagens zu verringern.
Die entfernte ischämische Präkonditionierung (RIPC) wird durch drei Zyklen der Ischämie der oberen Extremitäten induziert.
Ziel der Studie ist es, die Inzidenz des akuten Nierenversagens durch die Anwendung der entfernten ischämischen Präkonditionierung zu senken (nachgewiesen anhand der Urinbiomarker Gewebe-Inhibitor der Metalloproteinasen-2 (TIMP-2) und Insulin-ähnliches Wachstumsfaktor-bindendes Protein 7 (IGFBP7).
Publikationen:
Ansprechpersonen: Univ.-Prof. Dr. med. Alexander Zarbock (Hauptprüfer), Univ.-Prof. Dr. med. Melanie Meersch-Dini
Link zum Register: NCT05830669
Titel: BigpAK-2-Studie
Synopse der Studie: Die BigpAK-2-Studie untersuchte, ob eine Biomarker-gesteuerte Präventionsstrategie auf Grundlage der KDIGO-Empfehlungen die Häufigkeit moderater oder schwerer akuter Nierenschädigungen (engl. Acute Kidney Injury, AKI) bei Hochrisikopatient*innen nach großen operativen Eingriffen reduzieren kann. AKI stellt eine häufige postoperative Komplikation dar und ist mit einer erhöhten Morbidität und Mortalität, längeren Krankenhausaufenthalten sowie höheren Gesundheitskosten verbunden. In die Studie wurden erwachsene chirurgische Patient*innen eingeschlossen, die anhand klinischer Risikofaktoren und erhöhter Stressbiomarker m Urin ([TIMP-2]*[IGFBP7]) als besonders gefährdet für die Entwicklung eines AKI identifiziert wurden. Die Teilnehmenden wurden randomisiert und erhielten entweder eine strukturierte nephroprotektive Präventionsstrategie oder Standardversorgung. Der primäre Endpunkt war das Auftreten einer moderaten oder schweren AKI innerhalb von 72 Stunden nach der Operation. Die Ergebnisse liefern wichtige Erkenntnisse zur Wirksamkeit gezielter Maßnahmen zur postoperativen Nephroprotektion und könnten zukünftige Leitlinien zum perioperativen Management von Hochrisikopatient*innen maßgeblich beeinflussen.
Zarbock A, Ostermann M, Forni L, Bode C, Wild L, Putensen C, Roux DP, Martín EE, Arndt C, Rahmel T, de Rosa S, Monard C, Schneider AG, Glass A, Jung-König M, Romagnoli S, Gossage J, Lumlertgul N, Haaker JG, Ripollés-Melchor J, Spadaro S, Siniscalchi A, Futier E, Aupetitgendre L, Bhathal IR, Álvarez RG, Bernard A, Rosenberger P, Wempe C, Sadjadi M, Meersch M, Fischhuber K, Bellomo R, Kellum JA, von Groote T; BigpAK-2 Study Group. A preventive care strategy to reduce moderate or severe acute kidney injury after major surgery (BigpAK-2): a multinational, randomised clinical trial. Lancet. 2025 Dec 13;406(10521):2782–2791. doi: 10.1016/S0140-6736(25)01717-9.
Rekrutierungszeitraum: Januar 2022 bis September 2024
Nachbeobachtung abgeschlossen im Jahr 2024
Veröffentlichung der Hauptergebnisse im Jahr 2025
Studienleitung Ansprechperson: Univ.-Prof. Dr. med. Alexander Zarbock (Hauptprüfer), Dr. med. Thilo von Groote
Link zum Register: NCT04600128
Titel: Epidemiologie des chirurgiebedingten akuten Nierenversagens (EPIS-AKI)
Synopse der Studie: EPIS-AKI ist eine internationale, prospektive, multizentrische Kohortenobservationsstudie mit 10.568 PatientInnen aus 30 Ländern. Hintergrund ist die akute Nierenschädigung (AKI) – eine schwerwiegende Komplikation mit steigender Inzidenz, die weltweit eine erhebliche Belastung für das Gesundheitswesen darstellt. Bisherige Analysen zur AKI-Inzidenz sind jedoch durch uneinheitliche Definitionen und unvollständige Daten eingeschränkt, obwohl genaue Kenntnisse zu Inzidenz und Risikofaktoren essenziell für Prävention, Gesundheitspolitik und weitere Studien sind. Ziel der Studie ist es, die AKI-Inzidenz innerhalb von 72 Stunden nach größeren chirurgischen Eingriffen anhand der aktuellen KDIGO-Konsensusdefinition (Serum-Kreatinin und Urinmenge) zu bestimmen sowie prä- und intraoperative Risikofaktoren zu identifizieren. Eingeschlossen wurden alle erwachsenen chirurgischen PatientInnen mit einer OP-Dauer von über zwei Stunden und anschließender Aufnahme auf eine Überwachungs- oder Intensiveinheit. Die Ergebnisse zeigen, dass etwa jede/r fünfte PatientIn eine postoperative AKI (PO-AKI) entwickelt, wobei ein zunehmender Schweregrad mit vermehrten unerwünschten Ereignissen einhergeht. Zudem trat bei jede/m zehnten PatientIn nach mehr als sieben Tagen eine akute Nierenerkrankung (AKD) auf – meist ohne vorherige PO-AKI. Dennoch erwies sich eine PO-AKI innerhalb von 72 Stunden als unabhängiger, starker Prädiktor für eine spätere AKD. Mit diesen Daten liefert EPIS-AKI fachdisziplin-übergreifende Erkenntnisse zur postoperativen AKI-Inzidenz und ihren Risikofaktoren. Die Ergebnisse unterstützen präventive und gesundheitspolitische Entscheidungen, beleuchten den Übergang von akuter Nierenschädigung zu manifester Nierenerkrankung und bilden eine wichtige Grundlage für die Planung weiterer klinischer Studien.
Publikationen:
Zarbock A, Weiss R, Albert F, Rutledge K, Kellum JA, Bellomo R, Grigoryev E, Candela-Toha AM, Demir ZA, Legros V, Rosenberger P, Galán Menéndez P, Garcia Alvarez M, Peng K, Léger M, Khalel W, Orhan-Sungur M, Meersch M; EPIS-AKI Investigators. Epidemiology of surgery associated acute kidney injury (EPIS-AKI): a prospective international observational multi-center clinical study. Intensive Care Med. 2023 Dec;49(12):1441-1455. doi: 10.1007/s00134-023-07169-7. Epub 2023 Jul 28. PMID: 37505258; PMCID: PMC10709241.
Meersch M, Weiss R, Strauß C, Albert F, Booke H, Forni L, Pittet JF, Kellum JA, Rosner M, Mehta R, Bellomo R, Rosenberger P, Zarbock A; EPIS-AKI Investigators. Acute kidney disease beyond day 7 after major surgery: a secondary analysis of the EPIS-AKI trial. Intensive Care Med. 2024 Feb;50(2):247-257. doi: 10.1007/s00134-023-07314-2. Epub 2024 Jan 29. PMID: 38285051; PMCID: PMC10907445.
Weiss R, Saadat-Gilani K, Kerschke L, Wempe C, Meersch M, Zarbock A; EPIS-AKI Investigators. EPIdemiology of Surgery-Associated Acute Kidney Injury (EPIS-AKI): study protocol for a multicentre, observational trial. BMJ Open. 2021 Dec 30;11(12):e055705. doi: 10.1136/bmjopen-2021-055705. PMID: 35588372; PMCID: PMC8718477.
Ansprechpersonen: Univ.-Prof. Dr. med. Alexander Zarbock (Hauptprüfer), Priv.-Doz. Dr. med. Raphael Weiss
Link zum Register: NCT04165369
Titel: Biomarker-gesteuerte Anwendung von Angiotensin II (AT-II) zur Verringerung des Auftretens von Nierenschäden nach Herzoperationen
Synopse der Studie: Die Vasoplegie ist eine Form des distributiven Schocks mit niedrigem arteriellem Druck bei vermindertem systemischem Gefäßwiderstand und tritt bei 5–25 % der herzchirurgischen PatientInnen auf. Sie geht mit einem erhöhten Risiko für Organversagen einher, insbesondere für die Entwicklung einer akuten Nierenschädigung (AKI). Vorangegangene Beobachtungen zeigten, dass es nach Herzoperationen zu einer Dysregulation des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems (RAAS) kommt und erhöhte Reninspiegel mit kardiovaskulärer Instabilität sowie einer erhöhten AKI-Rate assoziiert sind. Sie könnten somit zur Identifikation von Hochrisikopatienten dienen, die von einer Intervention mit Angiotensin II (AT-II) profitieren. Die postoperative AKI stellt eine schwerwiegende Komplikation mit steigender Inzidenz dar, deren Prävention bislang weitgehend erfolglos blieb – meist, weil Interventionen erst nach eingetretenem Funktionsverlust begannen. Die AIDED-Studie verfolgt einen neuen Ansatz: Durch den Einsatz von Biomarkern kann Nierenstress frühzeitig erkannt und individualisiert therapiert werden, bevor ein nachhaltiger Schaden entsteht. Zwar gilt Noradrenalin derzeit als Erstlinientherapie bei Vasoplegie, doch sind alle Katecholamine mit Nebenwirkungen wie Myokardischämie und Arrhythmien behaftet. AT-II könnte hier eine schonendere Alternative darstellen, wobei bislang Daten zum Nutzen bei AKI-Hochrisikopatienten fehlen. Eingeschlossen werden PatientInnen mit hohem AKI-Risiko nach Herzoperation mit kardiopulmonalem Bypass (CPB), identifiziert anhand einer Hyperreninämie (Δ-Renin ≥ 3,7 µU/ml 4 Stunden nach CPB-Ende), und doppelblind einem AT-II- oder Placebo-Arm zugeordnet. Die Ergebnisse dieser Pilotstudie zeigen, dass die 12-stündige Gabe von AT-II zu keiner erhöhten Nierenbelastung führte. PatientInnen in der AT-II-Gruppe benötigten zudem weniger Flüssigkeit und niedrigere Vasopressor-Dosen; auch die kürzere Intensivaufenthaltsdauer und die geringere Rate an unerwünschten Ereignissen sprechen für die Sicherheit dieses Ansatzes. Insgesamt unterstützen die Ergebnisse die weitere Erforschung von AT-II als Vasopressor bei einem selektionierten, hyperreninämen Patientenklientel, um den auf die Niere einwirkenden zellulären Stress gezielt zu reduzieren.
Publikationen:
Sadjadi M, von Groote T, Weiss R, Strauß C, Wempe C, Albert F, Langenkämper M, Landoni G, Bellomo R, Khanna AK, Coulson T, Meersch M, Zarbock A. A Pilot Study of Renin-Guided Angiotensin-II Infusion to Reduce Kidney Stress After Cardiac Surgery. Anesth Analg. 2024 Jul 1;139(1):165-173.
Ansprechpersonen: Univ.-Prof. Dr. med. Alexander Zarbock (Hauptprüfer),
Link zum Register: NCT05199493
- Gefördert durch die DFG (GZ: ZA 428/21-1, Projektnummer: 458888477)
Teilnahme an der Studie
Wenn Sie Interesse haben an einer Studie teilzunehmen oder Fragen haben zu den Studien melden sie sich gerne bei Prof. Alexander Zarbock.